Inge Abel ist seit März 2015 als Kontaktstelle Ansprechpartnerin der Tibet Initiative in Mülheim-Kärlich. Die Tibet-Aktivistin ist praktizierende Buddhistin, war bereits in Tibet und entdeckte ihre Leidenschaft für das Land schon als Kind. Zarah Heinecke und Hannah Königs sprachen mit ihr über ihr Engagement für die Kampagne „Flagge zeigen für Tibet“, und warum es wichtig ist, für Tibet aktiv zu werden.  

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Seit wann engagierst du dich schon für Tibet, und was motiviert dich?

Ich interessiere mich schon seit über 50 Jahren für Tibet. Angefangen hat alles, als ich damals sechs Jahre alt war und eine mehrteilige Sendung über Tibet gesehen habe. Diese hat in mir eine Faszination ausgelöst, die mich nie mehr losgelassen hat. 2009 bin ich offiziell zum Buddhismus übergetreten. Ich habe ein Buddhismus-Studium begonnen und lerne seit etwa zwei Jahren Tibetisch. Nachdem ich 2014 bei der Jubiläumsveranstaltung  „25 Jahre Tibet Initiative Deutschland” in Hamburg war, bin ich selber TID Mitglied geworden. Seit März 2015 bin ich als Kontaktstelle Ansprechpartnerin der Tibet Initiative in Mülheim-Kärlich.

Wieso ist die Kampagne „Flagge zeigen für Tibet!“ deiner Meinung nach wichtig?

Vieles ist in den Medien in Vergessenheit geraten. Durch die anderen Konflikte weltweit, rückt Tibet und die permanente Unterdrückung der Bevölkerung durch die Zentralregierung Chinas leider immer mehr in den Hintergrund. Auch die rücksichtslose Ausbeutung der Bodenschätze sowie die Verschmutzung und Umleitung der Flüsse schaffen ein enormes Konfliktpotential, besonders bei benachbarten Staaten, die von diesen Flüssen abhängig sind. Ich will auf die Situation, die schon viel zu lange andauert, aufmerksam machen. Die Flaggenkampagne ist dafür sehr gut geeignet, da sich jeder beteiligen kann. Ob man nun seinen Bürgermeister anspricht, damit die Stadt oder Gemeinde am 10. März die tibetische Flagge hisst, oder Infomaterial zu Tibet verteilt.

Wie gehst du konkret vor, um die Kampagne zu unterstützen, und welche Erfahrungen hast du während deines Engagements gemacht?

Ich habe sowohl Bürgermeister, Stadträte, Landräte als auch Mitglieder des Landtages angeschrieben und um ein persönliches Gespräch gebeten. Meistens begegneten sie mir mit Wohlwollen und waren offen für mein Anliegen.  Es gab aber auch immer wieder verschiedene Einwände, um als Stadt oder Gemeinde am 10. März eben nicht die tibetische Flagge zu hissen, nach dem Motto: „Es ist zwar eine lobenswerte Aktion, aber aufgrund von Gegenstimmen einiger Stadt- und Gemeinderatsmitglieder wird die Stadt leider nicht teilnehmen.“ Ein Gegenbeispiel stellt ein Bürgermeister aus meiner Nachbargemeinde dar. Ungeachtet anderer Vorbehalte hat er einfach die Flagge gehisst und engagiert sich schon seit vielen Jahren. Diese Einsatzbereitschaft finde ich toll.

Es gibt also auch Städte oder Gemeinden, die man erst überzeugen muss. Kannst du das genauer erklären? 

Dieses Jahr habe ich auch Bürgermeister außerhalb meiner Verbandsgemeinde angeschrieben. Ich bekam mehrere durchaus wohlwollende Rückmeldungen, allerdings auch Absagen. Meist folgte die Begründung, dass bei Teilnahme ein Präzedenzfall für andere Organisationen und Interessengruppen geschaffen werde. Ich argumentiere dann damit, dass es hier um einen lang andauernden Konflikt geht, den man auch stellvertretend für andere Fälle nehmen kann. Es geht um Menschenrechte, das Recht auf  freie Meinungsäußerung, um die Selbstbestimmung eines Volkes und somit um Werte, die auch in unserem Land hart erkämpft wurden. Wenn ein Bürgermeister oder Gemeinderat flaggt, zeigt das letztlich auch, dass er für diese demokratischen Werte einsteht.

Warum sollen sich auch andere Städte und Gemeinden beteiligen und Flagge zeigen?

Ich denke, je mehr Städte und Gemeinden mitmachen, desto größer wird der Druck auf China, und vielleicht folgt dann auch ein Umdenken. „Alles ist im Wandel, nichts bleibt wie es ist“, wie es so treffend im Buddhismus heißt. Man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Ich denke, auch bei uns hätte niemand gedacht, dass die Berliner Mauer jemals fällt.

Was möchtest du anderen Aktiven noch mit auf den Weg geben?

Ich wünsche uns allen viel Kraft, um weiterzumachen und eventuelle Rückschläge eher als Ansporn zu sehen. An meinem Haus hängt durchgängig gut sichtbar eine Tibet-Flagge, und am 10. März kommt noch eine ganz große dazu. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Leute stehenbleiben und sich fragen, was das ist. Weil die Flagge vielen unbekannt ist, werden die Leute zum Nachdenken angehalten, und der eine oder andere wird sich nach dem Hintergrund erkundigen und herausfinden, was in Tibet passiert. Wir müssen den Tibetern eine Stimme geben!

// Zarah Heinecke und Hannah Königs