1996 haben wir, die Tibet Initiative Deutschland, erstmals dazu aufgerufen, Flagge für Tibet zu zeigen. Die erste Zusage kam aus Wächtersbach in Hessen. 20 weitere Teilnehmer von Kiel, über Hagen, Hannover und Weimar bis nach Starnberg und Ulm kamen noch im ersten Jahr dazu. Unsere Kampagne richtet sich an Städte, Gemeinden und Landkreise in ganz Deutschland und ruft dazu auf, am 10. März, dem Gedenktag an den Tibetischen Volksaufstand von 1959, die tibetische Flagge an Rathäusern und öffentlichen Gebäuden zu hissen. So wird nicht nur ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Tibet gesetzt, sondern auch die Forderung unterstrichen, die Menschenrechte in Tibet zu schützen.

Die Menschenrechtslage in Tibet ist nach wie vor alarmierend. Schätzungen gehen von bis zu 2.000 Tibetern aus, die seit 2008 willkürlich inhaftiert, gefoltert oder aus politischen Gründen verfolgt und eingesperrt wurden. Auch das Hissen der tibetischen Flagge kann, ebenso wie der Besitz eines Fotos des Dalai Lama, harte Strafen nach sich ziehen.

Die Kampagne „Flagge zeigen für Tibet!“ haben wir 1996 mit 21 Städten gestartet. In den vergangenen 20 Jahren haben sich über 1.000 Städte und Gemeinden beteiligt. Manche sind von Beginn an dabei, andere seit einigen Jahren, und in jedem Jahr kommen neue Teilnehmer dazu.

Darüber hinaus zeigen nicht nur bekannte Künstler wie der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu oder Politiker wie Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) und Michael Brand (CDU) ihre Unterstützung. Seit einigen Jahren zeigen auch immer mehr Privatpersonen auf ihrem Balkon, in ihrem Garten oder in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter ganz persönlich „Flagge“, bringen so ihre Solidarität zum Ausdruck und tragen die Idee einer „Bewegung von unten“ weiter.

Zum 20. Jubiläum der Kampagne zeigt all das die große Solidarität für die legitimen Rechte der Tibeter. Wenn Regierungen ihre Unterstützung für Tibet hinter politischen oder wirtschaftlichen Interessen zurückstellen und die chinesische Regierung versucht, Städte, Bürgermeister und Entscheidungsträger dazu zu bewegen, ihre Beteiligung einzustellen, ganz besonders dann gilt es, ein starkes Signal zu setzen: Menschenrechte und das Recht der Tibeter auf Selbstbestimmung sind für uns nicht verhandelbar.